Berlin Fashion WeekHauptschauplatz der Modenschauen ist der Bebelplatz - die Größe des in den vergangenen Tagen aufgebauten Veranstaltungsgebäudes entspricht der Größe von zwölf Tennisplätzen. Dort laden Designer wie Gabriele Strehle, Vivienne Westwood oder Unrath & Strano zu ihren Shows ein. Jeweils bis zu 800 Vertreter aus Medien, Modeindustrie und Gesellschaft können Platz finden.
Andere Designer wie Michael Michalsky oder Dirk Schönberger von Joop! haben selbst nach einem geeigneten Ort gesucht, um ihre Schöpfungen angemessen zu inszenieren - der eine lädt in die Uferhallen, der andere in den Kubus am Wriezener Bahnhof. Bis Sonntag wird Berlin noch ein Stück lebendiger: Die Stadt wird außerdem Plattform für die Absolventen von Modeschulen, sie bietet Platz für temporäre Showrooms, für den Karstadt New Generation Award und für viele, viele illustre Partys.
Wie sieht die Zukunft aus?Bei allem Enthusiasmus geistert im Hintergrund die Frage: Wird die Berliner Modewoche Bestand haben? Kann sie einen festen Platz im internationalen Modezirkus erkämpfen und sich mit Metropolen wie Paris, London oder New York messen - ganz so, wie es Designer Michael Michalsky, der ein bisschen zur Galionsfigur der Veranstaltung geworden ist, beim Start vor einem Jahr prophezeite?
Das Unternehmen IMG, das Fashion Weeks in der ganzen Welt organisiert, ist - wie nicht anders zu erwarten - zuversichtlich, was die Entwicklung angeht. Lynn Longendyke, Vizepräsidentin und internationale Produktionsleiterin IMG Fashion, begründet ihren Optimismus: "Die Anzahl der Designer, die bei der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin ihre Kollektionen zeigen möchten, steigt kontinuierlich. Zudem ist das Interesse der Modeindustrie gewachsen, so dass auch mehr Vertreter der Presse und Einkäufer kommen."
Schwerpunkt auf deutschen Designern
Der Vergleich mit anderen Modestädten mache nicht wirklich Sinn. "Wir wollen keine bestehende Fashion Week kopieren, sondern eine neue Plattform kreieren, die einzigartig ist", sagt die Amerikanerin. Der Schwerpunkt solle weiterhin auf deutschen Designern liegen, gemixt mit internationalen Namen. "Unser Event wird mit dem Wachstum der deutschen Designer wachsen, und junge deutsche Talente, die heute hier ihre Entwürfe präsentieren, sind die großen Namen von morgen."
Abwarten ist nicht unbedingt die Stärke derjenigen, die offen oder im Hintergrund Kritik äußern. Schlussendlich geht es darum, dass Vertreter der Modeindustrie einen Anreiz ausmachen, nach Berlin zu kommen. Erst dann werden auch weitere Designer den Standort für sich entdecken. Vorteil im Vergleich zum Januar und wichtige Voraussetzung für Einkäufer mit begrenztem Budget: Modenschauen und -messen wie die Premium finden parallel statt. "Wir arbeiten Hand in Hand mit dem Senat und der IMG", sagt Premium-Geschäftsführer Norbert Tillmann. "Was dabei herausgekommen ist, kann sich sehen lassen. Die internationale Berichterstattung spricht für sich. Laut ,New York Times' ist Berlin die kultivierteste Stadt Europas."
Gerd Wünsch ist Inhaber der Marke Orwell, die im Haus "Labels Berlin" an der Stralauer Allee einen Showroom unterhält und sich diesen Standort bewusst ausgesucht hat. Er spricht sich für eine noch bessere Vernetzung der Verantwortlichen aus: "Man hat manchmal den Eindruck, dass jeder sein eigenes Süppchen kocht, und es sich nicht wie in anderen Modestädten unter einem Dach entwickelt." Berlin habe noch keine richtigen Strukturen, die eine echte Modestadt ausmachen. "Städte wie zum Beispiel Düsseldorf sind ein ,Must' - Berlin ist eine Option. Daher muss sich die Stadt noch viel mehr anstrengen, um ,das Must' für die Mode zu werden."
Aufbau einer StrukturEine Person, die genau daran arbeitet, ist Tanja Mühlhans, die bei der Senatsverwaltung für Wirtschaft für den Bereich Mode zuständig ist. Auch sie erkennt, dass Berlin sich noch nicht mit Modemetropolen messen kann, "die eine jahrzehntelange Tradition vorweisen und bei denen alle moderelevanten Wirtschaftszweige in einer unvergleichlichen Dichte vertreten sind". Ihr geht es deshalb auch um eine langfristige Entwicklung: "Für 2009 ist geplant, jährlich einige Berliner Modedesigner auszuwählen, die Startkapital für Produktion und Messeauftritte erhalten sollen. Wir wollen Schritt für Schritt Rahmenbedingungen für die Modebranche schaffen, die Professionalisierung, unternehmerisches Wachstum sowie das Erschließen neuer Märkte erleichtern."
Berliner Morgenpost, [17.07.2008]