Die Verleihung erfolgt am 23. Juni auf der Bühne des CSDAuf seiner heutigen Pressekonferenz zum "Internationalen Tag gegen Homophobie", der jedes Jahr am 17. Mai begangen wird, verkündete der Berliner CSD e.V., seinen Sonderpreis für Zivilcourage an den Friedrichstadt-Palast zu verleihen. Die Verleihung erfolgt am 23. Juni auf der Bühne des CSD.
Der Friedrichstadt-Palast hatte vor dem Hintergrund des Erlasses antischwuler Gesetze in St. Petersburg sowie der geplanten Ausdehnung auf ganz Russland im April erklärt, bis auf Weiteres nicht mit russischen Organisationen und Künstlern zusammenzuarbeiten. So wurden laufende Verhandlungen mit russischen Investoren abgebrochen, die die Erfolgsshow ‚Yma‘ nach Moskau bringen wollten und Anfragen zur Anmietung des Showpalastes für Gastspiele abgesagt. Solange diese Gesetze in Kraft sind, würden auch künftige Anfragen russischer Künstler und Organisationen abgesagt.
Dr. Berndt Schmidt, Intendant des Friedrichstadt-Palastes, betonte: "Wir unterscheiden deutlich zwischen Russland als Kulturnation und seinen Menschen – und dummer Politik. Dieser Boykott ist unsere stärkste Möglichkeit als Friedrichstadt-Palast, unsere Solidarität mit den homosexuellen und allen anderen aufgeklärten und toleranten Russinnen und Russen zu zeigen." Zur Auszeichnung des Hauses mit dem Zivilcouragepreis erklärte Schmidt: "Ich freue mich sehr über die Auszeichnung unseres Hauses, obwohl ich auch meinen würde, dass heutzutage eine klare Haltung gegen Diskriminierung kein Zeichen von Zivilcourage, sondern von guter Erziehung ist." Robert Kastl, Geschäftsführer des Berliner CSD e.V., erläutert die Vergabe: "Der Friedrichstadt-Palast hat eindrucksvoll gezeigt, was es bedeutet, bei Diskriminierung nicht wegzuschauen. Mit seiner Boykottaktion gegen die beschämenden und diskriminierenden russischen Gesetzen zeigt der Friedrichstadt-Palast öffentlich Haltung und dafür zollen wir mit dem Zivilcouragepreis des Berliner CSD unseren vollsten Respekt."
Der Zivilcouragepreis wird vom CSD seit 2001 an Personen oder Organisationen verliehen, die sich in ihrem Bereich um die Gleichstellung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Trans-Personen (LGBT) verdient gemacht haben. Der Preis ist Ausdruck der Anerkennung für die Tätigkeiten und das Schaffen dieser Personen. Gleichzeitig will der CSD damit Inhalte im Kampf um die Gleichstellung von LGBT-Menschen transportieren.
"Erklärung in eigener Sache" auf Website und facebook: Der Friedrichstadt-Palast setzt ein Zeichen gegen Diskriminierung von Homosexuellen in Russland"Wir haben russische Mitarbeiter. Wir beschäftigen russische Artisten. Wir schätzen und mögen Russland und seine reiche Kultur. Unter anderem auch den Komponisten Pjotr Iljitsch Tschaikowski, der – in St. Petersburg müssten wir 12.800 Euro Strafe zahlen, da wir das sagen – schwul war. Umgekehrt genießt auch der Friedrichstadt-Palast in Russland einen sehr guten Ruf und wir haben in Berlin und dort viele russische Freunde.
Derzeit jedoch schüren konservative russische Politiker eine Hexenjagd auf Homosexuelle (siehe Spiegel-Artikel). Die Diskriminierung von Homosexuellen in St. Petersburg und anderen Provinzstädten sowie die beabsichtigte Ausdehnung dieses schwachsinnigen Gesetzes auf ganz Russland ist nicht akzeptabel.
Der Friedrichstadt-Palast hat daher schon vorletzte Woche laufende Verhandlungen mit russischen Investoren abgebrochen, die unsere Show Yma nach Moskau bringen wollten. Außerdem haben wir vorgestern die Anfrage einer St. Petersburger Eisrevue-Show abgelehnt, die den Palast für Gastspiele mieten wollte. Wir werden auch künftig Anfragen russischer Künstler und Organisationen absagen, solange diese beschämenden Gesetze in Kraft sind.
Die Absagen richten sich in keiner Weise gegen die russischen Künstler, von denen einige wohl selbst homosexuell sind. Von den Moskauer Investoren haben wir sogar Verständnis für unsere Absage erfahren. Wir unterscheiden auch sehr wohl zwischen Land, Menschen, Kultur – und Politik.
Dieser Boykott ist jedoch unsere einzige Möglichkeit als Friedrichstadt-Palast, unsere Solidarität mit den homosexuellen und allen anderen aufgeklärten und toleranten Russinnen und Russen zu zeigen.
Unsere Bühne steht für Freiheit und Toleranz und auch unsere Show Yma hat selbstverständlich homoerotische Momente. So wie sich das gehört für eine tolerante Stadt."